Mehrfamilienhaus Ebner - St. Lorenz

Projektbeschreibung

 

Plomberg, geprägt von landwirtschaftlichen Strukturen, liegt in Oberösterreich bei St. Lorenz zwischen Mondsee und St. Gilgen. Im Spannungsfeld von der vertikalen mächtigen „Drachenwand“ und der horizontalen Seefläche, befindet sich der landwirtschaftliche Schafzuchtbetrieb der Familien Ebner. Um den natürlichen Seepegelbewegungen - mehrere zurückliegende Überschwemmungen im Bauernhaus - zu entkommen, wurde es notwendig, nach einer geeigneten Wohnalternative zu suchen. In der landschaftlichen Verengung und Konzentration von Weideland, Waldbewuchs, Hang- und Seefläche verließ in vergangenen Tagen die Bad Ischler Eisenbahn dampfend Plomberg in Richtung St. Gilgen. Nach dem Entfernen der Gleisanlagen blieb im Gelände die Horizontale sichtbar. Diese historische, durch den landwirtschaftlichen Betrieb geführte Bahntrasse, konnte nun zur Bebauung eines neuen landwirtschaftlichen Wohngebäudes herangezogen werden.

 

Die Bauaufgabe bestand darin, ein Haus für 2 Familien aus 2 Generationen mit unabhängigem Gästebereich zu erstellen. Ein Haus für 2 Personen, und ein Haus für eine Familie mit derzeit 3 Personen. Die landschaftliche Einbindung des Gebäudes erfolgte in Längsrichtung, parallel zum Seeufer und den natürlichen Höhenschichten folgend. Diese Positionierung schützt einen großen Teil des Grundstückes von der Lärmbelastung der nahegeführten Uferstraße Mondsee - St. Gilgen. Die spezielle Lage des Gebäudes erforderte ein nach außen orientiertes, offenes und möglichst transparentes architektonisches Konzept. Durchblicke und Öffnungen wurden so positioniert, dass sie dem Ort und dem Nutzer gerecht werden. Über versetzte diagonale Sichtverbindungen in den verschiedenen Geschossen und über den Einschnitt im Obergeschoss wird eine 360 Grad Ausrichtung beider Hausteile ermöglicht. Durchsichten, Ausblicke und die Einbindung der Natur ins Gebäude sind so maximal gegeben.

Der Besucher betritt die verschiedenen Wohneinheiten über den seeseitig gelegenen überdachten Eingangsbereich. Beim Durchschreiten des Erdgeschosses werden die beiden ruhigen südlichen Terrassenbereiche sichtbar. Geht der Besucher über die nach Norden geführten Treppen in die Obergeschosse, erwartet ihn der weite Blick über den gesamten Mondsee bis ans nördliche Seeufer. In diesem Bereich des Hauses sind allgemeine Raumerweiterungen als Rückzugs- und Studienflächen positioniert. Diesen Seeblick genießen auch die Bewohner aus ihren eigenen Bädern. Die Schlafräume sind abgewandt der Bundesstraße im südlichen Bereich untergebracht. Ein vorbeigehender Betrachter vergleicht das Gebäude mit seiner natürlichen Einbindung in die Natur, und der Offenheit des Gebäudes mit einem beweglich abgestellten Eisenbahnartefakt, möglicherweise im Bewusstsein der Historie.

 

Konstruktionsweise:

Das 2-geschossige Gebäude ist in Holzpfosten – Riegelkonstruktion gefertigt, die notwendigen statischen Aussteifungen werden von diagonal vernagelten Rauspundschalungen mit Kamm und Nut übernommen. Die befüllte Zellulosefaserwärmedämmung im Holzriegelzwischenraum übernimmt die thermische Dämmung in der Außenwand. Auf Holzplattenwerkstoffe wurde möglichst verzichtet. Die hinterlüftete, vertikale und unbehandelte Lärchenschalung gibt dem Gebäude sein äußeres Erscheinungsbild und verstärkt die natürliche Einbindung des Gebäudes in die starke Landschaft.

 

Energie:

Für einen geringen Energieverbrauch sorgen die hoch wärmegedämmten Außenhüllflächen, die Holz- Alufenster mit Isolierverglasungen und der Fernwärmeanschluss an die hofeigene Hackschnitzel Biomasseheizanlage.

 

 

DI Gerhard Matt